Jeder, der mit einer Hashimoto Thyreoiditis zu tun hat, kennt sie: Therapieratschläge, die sich alles andere als nützlich erweisen. Und dabei ist es völlig egal, von wem diese Empfehlungen kommen, ob es sich dabei um Ärzte, Heilpraktiker oder Laien handelt. Im schlechtesten Fall verursachen falsche Behandlungsempfehlungen eine Verstärkung der Symptomatik bis hin zu einem Schub – und das ist das Letzte, was man sich als von einem Autoimmunprozess wie Hashimoto Betroffener wünscht. In diesem Artikel teile ich mit dir die schlechtesten Ratschläge bei Hashimoto. Vielleicht hast du einige davon ja auch selbst schon zu hören bekommen… Dann hoffe ich, dass du es mit einem Augenzwinkern sehen kannst – viel Spaß beim Lesen!

 

Ratschlag 1 – Steigere dich da einfach nicht so rein!

Wow. Dieser Satz ist ein Klassiker.

Wahrscheinlich musste jeder, der mit Hashimoto zu tun hat, ihn sich schon einmal von irgendeiner Seite anhören. Dabei impliziert dieser Satz, dass Hashimoto etwas ist, das man einfach so abstellen kann, indem man ihm eben einfach nicht so viel Bedeutung beimisst. So funktionieren Autoimmunprozesse aber leider nicht.

Hashimoto ist eine Autoimmunerkrankung – das bedeutet, das Immunsystem hat sich dazu entschieden, gegen körpereigene Strukturen zu arbeiten. Die Schilddrüse, die bei dieser Erkrankung betroffen ist, wird im Lauf der Zeit mehr und mehr zerstört.

Und ja, natürlich ist es gut, sich nicht ängstlich in etwas hineinzusteigern! Da bin ich voll bei den Empfehlenden, die diesen Rat aussprechen. Allerdings löst dieser Ratschlag bei vielen Betroffenen Schuldgefühle aus, und den Gedanken, dass mit ihnen irgendetwas nicht stimmen kann, wenn sie die Symptome so stark spüren.

Seltsam, oder? Niemand würde jemandem mit einem gebrochenen Bein sagen, er solle sich doch einfach nicht so reinsteigern, sondern stattdessen einfach weiterlaufen wie gewohnt. Bei einem Autoimmunprozess wie Hashimoto sieht man allerdings meistens nichts – und deshalb wird diese Erkrankung leider oft nicht ganz ernstgenommen.

Seit einigen Jahren ändert sich das glücklicherweise allmählich. Wahrscheinlich, weil Hashimoto inzwischen sehr viel Aufmerksamkeit bekommt und viele Betroffene offen darüber sprechen, wie es ihnen wirklich geht.

Die Beschwerden abzutun, indem man Menschen sagt, sie sollten sich bitte doch einfach nicht reinsteigern, ist ebenso respektlos wie gefährlich.

Was allerdings sehr gut ist, und das kenne ich sowohl von mir selbst als von Hashimoto Betroffene, als auch aus der Arbeit in meiner Praxis mit vielen Hashimotopatientinnen und -patienten:

  • die Lage ernst nehmen.
  • Die individuelle Symptomatik würdigen.
  • Und dann unterstützende Gedanken und Verhaltensweisen fördern, die das Leben TROTZ der Symptomatik leichter und entspannter machen. Und das ist so ziemlich das genaue Gegenteil von „sich einfach nicht so reinsteigern“.

 

Ratschlag 2 – Treib einfach mehr Sport und iss weniger!

Gewichtszunahmen (und auch Schwierigkeiten, die überschüssigen Pfunde wieder loszuwerden) sind bei einer Hashimoto Thyreoiditis eher die Regel als die Ausnahme. Unzählige Patientinnen und Patienten kämpfen mit diesem Problem – und fühlen sich schlecht, weil die meisten Abnehmregeln bei Ihnen einfach nicht zu funktionieren scheinen.

Man sollte meinen, dass bei jedem Menschen gilt: wenn weniger Kalorien zugeführt als verbraucht werden, dann erfolgt eine Gewichtsabnahme.

Das Problem ist, dass dieser Prozess zwar auch bei Hashimoto nicht falsch ist, aber alle Vorgänge im Stoffwechsel auf Sparflamme laufen. Das heißt, alles dauert einfach sehr viel länger und ist sehr viel mühsamer, als bei nicht erkrankten Personen. Und dieser dauerhafte Kampf gegen den eigenen Stoffwechsel kann sowohl auf die Motivation, als auch aufs Gemüt schlagen.

Viele Patienten mit Hashimoto werden immer wieder damit konfrontiert, dass sie „einfach weniger essen und mehr Sport treiben“ sollten.

Dabei lebt ein Großteil eben dieser Patienten bereits sehr ausgewogen und betätigt sich sportlich. Manche sogar nahezu exzessiv. Der gutgemeinte Hinweis, doch mal die Ernährung zu prüfen und den Hintern vom Sofa wegzubewegen, wirkt auf diese Menschen wie reiner Hohn und ist daher einer der schlechtesten Therapieratschläge bei Hashimoto.

 

 

Ratschlag 3 – Bei mir hat xyz funktioniert, mach das doch auch mal!

Gerade in Internetforen und auf Social Media Kanälen wie Facebook oder Instagram florieren Ratschläge aller Art. Das ist einerseits großartig, denn durch den Austausch mit anderen Betroffenen kann es natürlich leichter werden, mit Hashimoto umzugehen. Es kann aber auch mächtig nach hinten losgehen, wenn plötzlich „Dogmen“ aufgestellt werden, an die sich Betroffene gefälligst halten sollten, damit es ihnen besser geht.

Manche Empfehlungen sind dabei schlichtweg einfach nur noch zum Gruseln. Nur, weil irgendetwas bei irgendjemandem dazu geführt hat, dass diese Person sich besser fühlt, muss dies nicht automatisch bei anderen Betroffenen auch so sein.

Um aber beurteilen zu können, welche Art der Behandlung sich individuell eignet, ist fundiertes medizinisches Wissen ebenso unabdingbar wie eine ausführliche Untersuchung und Anamnese. Dafür braucht es Menschen, die sich damit auskennen, diagnostizieren und therapieren dürfen – und dies sind gemäß Heilerlaubnis hierzulande lediglich Ärzte und Heilpraktiker.

Kurz gesagt: Austausch ist prima, Lösungen suchen ebenfalls. Dies aber bitte immer mit einer großen Portion Achtsamkeit und mit dem Blick auf die Qualifikation derjenigen, die Ratschläge verbreiten.

Als selbst seit vielen Jahren von einer Hashimoto Thyreoiditis Betroffene weiß ich, wie wertvoll es ist, wenn subjektiv empfundene Beschwerden ernstgenommen werden. Wie wichtig ein empathischer Umgang mit den Anliegen von Erkrankten ist und welche Rolle eine gute Vernetzung von Behandlern spielen kann.

Denn ganz ehrlich? Niemand kann alles wissen, alles leisten und alles abfangen – dazu sind Autoimmunprozesse zu komplex und zu vielschichtig. Was aber den meisten Betroffenen sehr hilft, ist, ernst genommen zu werden  und sich nicht mehr wie auf einer endlosen Odyssee zu fühlen.

Weil sich so im Idealfall Stück für Stück auch die einzelnen Puzzleteile von autoimmunbedingten Symptomen zu einem deutlichen Bild zusammenfügen lassen. Die schlechtesten Ratschläge bei Hashimoto haben eines gemeinsam: sie beachten nicht den individuellen Zustand der betroffenen Person, sondern scheren über einen Kamm.

 

Wenn du dir ganzheitliche Unterstützung auf deinem individuellen Weg mit Hashimoto wünschst, bin ich als Heilpraktikerin in der begleitenden Schilddrüsensprechstunde meiner Berliner Naturheilpraxis sehr gerne für dich da. Melde dich einfach und vereinbare einen Termin mit mir.

Viele Tipps für einen besseren Umgang mit Hashimoto erhältst du auch in meiner kostenlosen E-Mail-Serie für einen guten Alltag mit Hashimoto und natürlich auch als Teilnehmer:in meines Onlinekurses „Besser leben mit Hashimoto„, wo ich mein Wissen und meine Erfahrung aus über 20 Jahren leben und arbeiten mit Hashimoto mit dir teile.

 

Für welche Möglichkeit auch immer du dich entscheidest – ich freue mich sehr, dich ein Stück auf deinem Weg zu begleiten! Vielleicht ja bis ganz bald?

Herzliche Grüße

deine Sandra