Mit einer Hashimoto Thyreoiditis zu leben, kann tricky sein. Denn, ganz ehrlich: Autoimmunerkrankungen sind kleine A****geigen, die einem offenbar hin und wieder zeigen müssen, wie unberechenbar sie sind. Trotzdem versuchen die meisten Menschen, die von Hashimoto (oder einem anderen Autoimmunprozess) betroffen sind, bestmöglich mit der Situation umzugehen. Klar - was bleibt einem auch anderes übrig, es handelt sich bei Autoimmunerkrankungen schließlich um chronische Geschehen.

Auch ich lebe seit über 20 Jahren mit Hashimoto und zusätzlich seit einigen Jahren mit einer rheumatischen Erkrankung. Und was wir Betroffenen wirklich nicht brauchen können, sind schlaue Sprüche von jemandem, der sich nicht mit der Materie auskennt, dafür aber jede Menge Meinung dazu hat… Genau darum geht es in diesem Beitrag.

7 Dinge, die du zu Menschen mit Hashimoto nicht sagen solltest

Es gibt ein paar Aussagen, die sind ebenso überflüssig wie unempathisch. Sieben Klassiker habe ich dir hier zusammengestellt – und ich bin sicher, wenn du selbst mit einer Hashimoto Thyreoiditis lebst, dann hast du das ein oder andere davon ganz bestimmt auch schon mal zu hören bekommen …

HASHIMOTO NO-GO #1: REISS DICH MAL ZUSAMMEN!

Hmmm, ach so! Klar. Einfach mal zusammenreißen, wenn der Körper rumspinnt und das Nervenkostüm gleich mit. Wenn es doch nur so einfach wäre…

HASHIMOTO NO-GO #2: DAS GEHT WIEDER VORBEI!

Um ganz genau zu sein: nein, das wird es nicht. Hashimoto ist eine chronische Erkrankung und (nach heutigem wissenschaftlichen Stand) unheilbar. Allerdings sind die Symptome meistens gut behandelbar und deshalb stimmt die Aussage doch zumindest halbwegs.

Schübe können kommen und gehen – und wenn es richtig schlecht läuft, läuft es irgendwann auch wieder besser. Trotzdem ist dieser (in den meisten Fällen als Trost gemeinte) Spruch für die meisten Betroffenen nicht hilfreich und kann dazu führen, dass sie sich nicht ernstgenommen fühlen.

HASHIMOTO NO-GO #3: DANN ISS EBEN WENIGER!

Wenn die Schilddrüse im Verlauf einer Hashimoto Thyreoiditis entzündungsbedingt zu schwächeln beginnt und nach und nach durch Gewebezerstörung kleiner wird, wird es früher oder später für die meisten Betroffenen schwieriger, ihr Gewicht zu halten. Gewichtszunahmen sind bei Hashimoto daher eher die Regel als die Ausnahme – und leider genügt „weniger essen“ in den meisten Fällen auch nicht.

Es kommt nicht nur darauf an, wie viel, sondern auch was gegessen wird. Bei Autoimmunerkrankungen kann es sich als hilfreich erweisen, generell darauf zu achten, Entzündungen im Körper nicht auch noch durch falsche Ernährung zu forcieren. Die saloppe Empfehlung „Iss eben weniger!“ wird der Komplexität des Problems nicht gerecht und verursacht bei Betroffenen im schlechtesten Fall noch zusätzliche Schuld- und Schamgefühle. Mehr zum Thema Übergewicht bei Hashimoto findest du hier.

HASHIMOTO NO-GO #4: DU BIST KRANK? MAN SIEHT ABER GAR NICHTS!

Hashimoto ist eine Erkrankung, die tatsächlich nach außen so gut wie nicht sichtbar ist – der geschulte und aufmerksame Blick kann Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion oder Schilddrüsenüberfunktion erkennen, aber gerade Patientinnen und Patienten, die bereits medikamentös eingestellt sind, wirken nach außen oft „unauffällig“.

Trotzdem wirkt der Autoimmunprozess unterschwellig weiter und kann Beschwerden wie Erschöpfung, geringe Belastbarkeit, depressive Verstimmung und innere Unruhe, Konzentrationsprobleme, Schmerzen in Muskeln und Gelenken, Libidoverlust und vieles mehr mit sich bringen. Was auch erklärt, warum es keinen Sinn ergibt, Schilddrüsenstörungen isoliert zu betrachten.

Also: nur, weil „man nichts sieht“, heißt das nicht, dass jemand frisch wie der junge Frühling durchs Leben schwebt.


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HASHIMOTO NO-GO #5: MACH EINFACH MEHR SPORT, DANN GEHT ES DIR BESSER!

Sport ist eine gute Sache – und das gilt definitiv auch für Menschen mit Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto. Allerdings macht hier – wie bei vielem – die Dosis das Gift. Zu starke Belastungen, z.B. durch High Intensity Intervalltraining (das viele ausprobieren, weil sie so ihr Gewicht zu reduzieren hoffen) können leider wie ein Bumerang im Anschluss zu heftiger Erschöpfung führen, die im blödesten Fall Tage andauert.

Sport ist also empfehlenswert, du solltest dabei aber sehr sensibel auf deine Grenzen achten und im Zweifel lieber sanfter vorgehen.

HASHIMOTO NO-GO #6: DAS LIEGT AN DEINEM MINDSET!

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber für mich ist das Wort „Mindset“ inzwischen gerade im Gesundheitsbereich zu einem roten Tuch geworden. Warum? Weil es (vor allem in Social Media-Netzwerken und im Bereich Onlinebusiness) absolut inflationär gebraucht wird!

Mindset bezeichnet eigentlich nur deine Herangehensweise an etwas, deine Einstellung zu einem bestimmten Thema und die daraus resultierenden Handlungen. Inzwischen gibt es aber eine Tendenz, das Mindset als Zaubermittel für alles zu deklarieren: und das finde ich höchstgefährlich!

Denn: du kannst das positivste Mindset auf diesem Planeten kultivieren, und trotzdem weiterhin mit deiner Autoimmunerkrankung zu kämpfen haben. Du kannst dir Mühe geben, gut auf dich zu achten, und trotzdem läuft es mal mies. That’s life.

Wenn dann aber die „Das liegt nur an deinem Mindset, du musst eben positiver denken!“- Keule geschwungen wird, ist das meiner Meinung nach eine Form des Victim-Blaming. Jemand, der ein Problem hat, wird dafür verantwortlich gemacht, dass es bestehen bleibt – denn mit einem positiveren Mindset könnte sich ja alles in Luft auflösen, nicht wahr? Gib dir eben einfach mehr Mühe!

Das alles oft auch noch gekoppelt mit Motivations-Bohei und Selbstoptimierungs-Druck, und schon entsteht ein toxisches Hamsterrad aus überzogenen Ansprüchen, Scham und Schuld.

Meine Empfehlung dazu: lass dir nichts erzählen und schon gar nicht vorschreiben. Hör auf dich, auf deinen Körper, auf deine Bedürfnisse. Versuche, liebevoll und aufmerksam dir selbst gegenüber zu sein – ohne Druck und vor allem ohne irgendwelche utopischen Ansprüche.

Ja, es ist förderlich für die Gesundheit, das Gute im Leben zu sehen. Und es ist wichtig, sich selbst immer wieder auch aus dem Sumpf zu ziehen – notfalls an den eigenen Haaren. Aber es ist nicht förderlich, sich zusätzlichen Stress zu machen, weil Mindset- und Selbstoptimierungsgurus es so proklamieren.

Pass gut auf dich auf. Das genügt.

HASHIMOTO NO-GO #7: ANDERE SIND VIEL SCHLIMMER DRAN!

Oh. Ja. Natürlich, relativieren lässt sich alles und selbstverständlich ist immer irgendjemand auf diesem großen weiten Planeten schlimmer dran. Das ist allerdings kein brauchbares Argument, sondern spielt dein Befinden in diesem aktuellen Moment herunter. Und wenn du gerade bestimmte Dinge nicht tun oder leisten kannst, dann ist das so.

Zur Erinnerung: wenn du mit Hashimoto lebst, bist du chronisch krank. Und dann ist es nicht selbstverständlich, stets wie ein Uhrwerk zu funktionieren. Manchmal kann es Phasen geben, in denen du mehr Kraft aufwenden musst als andere, um das ganz normale Leben zu stemmen. Und manchmal wirst du Pausen brauchen, die andere nicht für nötig halten.

Bleib bitte bei dir und bei dem, was in deinem Alltag Sache ist. Denn letztendlich geht es darum, wie du mit deiner Erkrankung zurechtkommst – und ich wünsche dir, dass du das bestmöglich hinbekommst!

Hashimoto als lebenslanger Begleiter

Aus Erfahrung kann ich sagen: mit einer Autoimmunerkrankung wie Hashimoto lässt sich leben. Und das in den meisten Fällen sogar gut, wenn man sich an einige Regeln hält, auf die eigenen Bedürfnisse achtet und für Zeichen von Überforderung sensibler wird.

Es ist aber definitiv zentral wichtig, die eigenen Grenzen gut abzustecken und liebevoll für sich selbst zu sorgen.

Wenn du dir Unterstützung wünschst, bin ich in meiner Praxis gerne für dich da – zum Beispiel in meiner Schilddrüsensprechstunde oder durch psychotherapeutische Unterstützung.

Hier kannst du einen Termin vereinbaren.

Und wenn du erstmal mehr lesen möchtest, findest du hier jede Menge weitere Inhalte und Ressourcen zur Hashimoto Thyreoiditis. Schau einfach mal vorbei.

Alles Liebe für dich,

deine Sandra

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